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Einfach drauflos Richtung Süden. 

Auf dem Bichlhof umgeben von steinernen Bergen – ein Geheimtipp 

von Jörg Brokmann

Leogang. Eine Woche in die Berge: schlemmen, wandern, radfahren, Seele baumeln lassen. Das war der Plan für Südtirol. Es kommt anders. Regen in Bozen, Sonne am steinernen Meer. Wir landen schließlich in Leogang im Salzburger Land. Perfekt getimt. Der Stellplatz ein Traum knapp auf 1000 Meter Höhe mit Blick auf die Steinberge. Auf Hin- und Rücktour schlendern und schmausen wir uns durch Nürnberg und Würzburg.  

Das ist nicht selbstverständlich Mitte Oktober. So geht es los: Am Donnerstag bespaße ich noch 16 Frauen und Männern bei meiner Eat-the-World-Tour mit Historie und Anekdoten meiner Lieblingsstadt Braunschweig – zwischendurch gibt es Häppchen, Süppchen, Mumme-Bier und -Eis. 

Gegen halb sieben schnurren wir mit dem Camper auf die A 7 – wir haben uns Motten vorgenommen kurz hinter der bayerischen Landesgrenze. Wir landen mitten im Ort – Strom gibt es umsonst – und tatsächlich um halb zehn noch Hähnchen mit Pommes im Wirtshaus Zur grünen Au – zwei Minuten entfernt von unserem Wohnmobil. Wir werden von zwei jungen Landwirten begrüßt wie alte Bekannte: Man habe schon spekuliert, ob wir noch hochkommen ins Lokal. Merken, rät meine Frau. 

Wohlig genießen wir die erste Nacht, schlafen acht Stunden bis sieben Uhr. Die Müllabfuhr weckt uns. Egal. Ein paar hundert Kilometer weiter wartet Nürnberg auf uns. Wir quartieren uns am Volkspark Marienberg ein. Ein funktionaler Standort – nur eine Viertelstunde mit dem Rad bis zum Beethovendenkmal – unser Startpunkt mit der kompetenten Franzi zur Eat-Tour. Vorweg bummeln wir durch die geschichtsträchtige Stadt – trinken Federweißer und Kartoffelsüppchen in den Trödelstuben. Draußen bei angenehmen 20 Grad, drinnen hätte uns ein jahrhundertealtes Interieur erwartet. Etwas für LiebhaberInnen.

Am Nachmittag erzählt die junge, studierte Historikerin Franzi über die ehemalige Kaiserresidenz. Wir schreiten durch die Stadttore der in Gänze erhaltenen Stadtmauer, probieren Lebkuchen und Nürnberger Rotbratwürstchen im Weckl, bestaunen Albrecht Dürers Wohnhaus und erfahren Wissenswertes über den genialen Maler und Mathematiker, Franzi zeigt sein Selbstbildnis mit Pelzmantel, das damals beim hiesigen Adel für distinguiertes Kopfschütteln sorgte. Der 1471 geborene Vertreter der Renaissance stammt „nur“ aus bürgerlichen Verhältnissen. Aber seine Werke finden dennoch große Anerkennung.

 

Nun gut, das zum berühmtesten Künstler der fränkischen Metropole. Während des Heiligen Römischen Reiches, also weit vorher seit 1219, verweilen auf der Burg in der Reichstadt die Kaiser. Es steckt viel Macht und Prunk hier an der Pegnitz, die gotische Frauenkirche und der goldene Brunnen zeugen eindrucksvoll davon – eine mittelalterliche Denkmalzone.

Unser nächstes Quartier schlagen wir im Auwald bei Ingolstadt auf – im nahegelegenen Restaurant gibt es um acht Uhr noch Rehbraten und Käsespätzle für unseren hungrigen Mäuler.  

 

Die Stadtführerin schildert auch die Vertreibung der Juden Ende des 14. Jahrhunderts, als die Stadt 600 Menschen aus dem Viertel rund um den Hauptmarkt verjagt und sich die Grundstücke selbst aneignet haben. Im 20. Jahrhundert finden während der Zeit des Nationalismus die Rechtsparteitage hier statt, nach dem Zweiten Weltkrieg wird während der Nürnberger Prozesse vielen NS-Verbrechern der Prozess gemacht. Heute zählt die Altstadt wieder zu den bekanntesten Städten Europas mit mitteralterlichem Kern. Anziehungspunkt ist der Christkindlmarkt, zu dem kehren wir sicher nochmal in die zweitgrößte Stadt Bayerns zurück, die übrigens 1050 erstmals erwähnt wird.   

Anderntags entscheiden wir uns frühmorgens entscheiden nach Betrachtung der Wetterlage für Leogang im Salzburger Land statt Meran in Südtirol. Wir richten uns ausschließlich nach Wetter und Lage, die verheißen drei Tage ein Sonnen-/Wolkenmix. Wir treffen es viel besser. Wir kurven an der Toplocation Grubhof mit Sauna in Lofer vorbei, lassen Bauchgefühle sprechen und landen schließlich bei Katharina und Martin auf dem Bichlhof – auf einem freundlich gleich mit unseren Namen gekennzeichneten Stellplatz – einem von lediglich sechs. Niedlich.  

Vollversorgt spüren wir sofort Wärme, in jeglicher Beziehung – mit den muhenden Kühen der Bauernfamilie vor der Nase. Wir buchen vier Übernachtungen und erleben eine unterhaltsame Zeit mit Bergwandern auf den Asitz, anstrengendem Radeln nach Zell am See, entspannen und knuspern an der „Alten Schmiede“ auf knapp 1900 Metern. 

Die Asitzbahn nimmt uns mit ins Tal zurück, nach knapp 50 Minuten  Fußmarsch bis hoch auf den Bichlhof in Leogang strecken wir die lahmen Beine unter den Campingtisch, gönnen uns einen Grillo. Beschienen von der Nachmittagssonne erstrahlen die steinernen Berge in ganz anderem Licht, später erleben wir gar noch Alpenglühen. Mehr geht nicht, aber diesen Urlaub haben wir uns verdient, denken wir.  

Für die mit zwei Tage Rücktour erinnern wir uns an die Residenzstadt Würzburg, ergattern um halb vier einen Stellplatz direkt an der Alten Mainbrücke. Hier gibt es Alles, was das Wohnmobilherz begehrt, gar sanitäre Anlagen im metallenen Tankstellenlook, topgepflegt. Uns wird Haxe und Sauberbraten im „alten Kranen“ serviert, der Laden brechend voll, unsere Reservierung sichert uns zwei schöne Sitzplätze. Der arg notwendige Spaziergang, kombiniert mit dem vorherigen Abendmahl, lässt uns schließlich friedlich in unseren Längstbetten unter kuschligem Deckbett einschlummern.  

Freude auf den fränkischen Wochenmarkt, der noch mit vielfältigem Sortiment ausgestattet ist, heißt auch, sich unseren letzten vorletzten Urlaubstag mit einer – selbstverständlich – Eat-Führung zu versüßen.   

Hier in der Weinregion Frankens entzückt Würzburg mit sehenswerten Gebäuden in Barock- und Rokokostil. Der erste Weg führt uns zur Alten Mainbrücke, einen Brückenschoppen schlürfen – mit Blick auf die Festung Marienburg aus dem 18. Jahrhundert. Man spürt Historie vereint mit Moderne – eine Studierendenstadt mit Flair und hoher Lebensqualität. Und der Markt ist für Deutschland fast einmalig.  

Kunsthistoriker Marco lenkt uns mit seiner charmanten Führung durch die 130 000-Einwohner-Stadt an eigenwilligen Kirchen und Kapellen vor – besonders an der Marienkapelle. Hier ist die „unbefleckte Empfängnis“ in den Stein gehauen. Das Baby gelangt durch das Ohr in den Körper der Maria. Nun ja.  

Wir erfahren von Julias Echter von Mespelbrunn, den Stifter des Krankenhauses Juliusspital. Mit dem zweitgrößten Weingut Deutschlands, dem Juliuspital, wird das Krankenhaus finanziert.  

Gleich nach der Stadttour, bei der wir noch spanischen Suppe und edlen Wein ohne chemische Zusatzstoffe und frisch gemachte Nudeln genießen durften, erreichen wir nach gut drei Stunden wieder Motten, den Stellplatz mit dem Gasthaus nebenan.  

Vollkommen erholt rollen wir nach acht Tagen mittags wieder auf unser Grundstück in Braunschweig. Wir merken erneut, dass diese Art des Reisens alle Sinne besonders bedient – die Luft und Bewegung in den Bergen, die köstlich-informativen Städtetouren, das gemächliche Dahingleiten mit dem Camper sowie der erholsame Schlaf in unserem mobilen Zuhause.